Eine Neuinterpretation des Werks von Artemisia Gentileschi durch Enora Jacquart. „Judith und Holofernes. Der endgültige Bruch mit traumatisierender Kontrolle. Das Nachthemd im Kontrast zum Anzug ist eine zeitgenössische Umsetzung intimer und sozialer Machtdynamiken.“

 

Der August 2026 neigt sich dem Ende zu, und in der Galerie Koronin herrscht reges Treiben. Zwischen Reisen, wunderbaren Begegnungen und Ausstellungen in Paris war der Terminkalender der Galerie in den letzten Tagen besonders voll:

  • Charente-Maritime: Ein schöner Erfolg für Isabelle Morin durch den Verkauf eines neuen Werks, gefolgt von einer reizenden Begegnung mit unserer Künstlerin E Popeia in der Nähe von La Tremblade.

  • Italien & International: Wir haben uns sehr gefreut, den italienischen Künstler und Ausstellungskurator Claudio Giulianelli bei uns begrüßen zu dürfen.

  • Paris: Unsere liebe vietnamesische Freundin Tamhuy ist wieder da. Das Frankreich-Team hatte das Privileg, seine Einzelausstellung in der außergewöhnlichen Kulisse des Luxushotels La Clef Tour Eiffel zu besuchen (ein eigener Artikel dazu folgt in Kürze!)

  • Heute möchten wir uns jedoch einen Moment Zeit nehmen, um diesen Beitrag einem ganz besonderen Neuzugang in der Galerie zu widmen: Enora Jacquart
Der Anruf kurz nach 10 Uhr: eine ungewöhnliche Geschichte

Am Freitag, dem 21. August, kurz nach 10 Uhr morgens, klingelte das Telefon in der Galerie. Abgesehen von der Kommunikation mit unseren Stammausstellern sind unaufgeforderte Anrufe von Künstlern selten.

„Hallo, ich bin Enora Jacquart. Ich bin Fotografin und Illustratorin und verbinde digitale Fotografie mit Computergrafik. Ich habe einen ganz eigenen visuellen Erzählstil entwickelt, wurde aber überall abgelehnt. Viele Galerien scheuen sich vor voreiligen Reaktionen und negativem Feedback. Wären Sie bereit, sich mein Portfolio einmal anzusehen?“

Sobald die PDF-Datei eintraf, wurde es still in der Galerie. Mit weit aufgerissenen Augen hielten alle für einige Augenblicke den Atem an, überwältigt von der Kraft der Bilder, bevor sie am Telefon diese naheliegende Antwort gaben:

„Ihr Ansatz ist mutig; er wird Diskussionen auslösen und heftige Reaktionen hervorrufen. Und genau deshalb stimmen wir Ihnen zu.“

Eine Ästhetik des Schocks: zwischen visueller Schönheit und thematischer Gewalt

Ähnlich wie Das Floß der Medusa besticht Enora Jacquarts Werk durch den markanten Kontrast zwischen der filmischen Perfektion der Bilder und der Brutalität der dargestellten Motive.

Indem sie sich offen auf die Figur von Artemisia Gentileschi bezieht, versucht Enora nicht zu verführen. Sie untersucht die Mechanismen des männlichen Blicks und die Falle der Objektivierung: wie Frauen, die mal als Musen, mal als Beute dargestellt werden, letztendlich einer verheerenden Form der Selbstüberwachung ausgesetzt sind. Doch während viele beim Trauma stehen bleiben, zeigt Enora den Bruchpunkt, die symbolische Rache und die Rückeroberung des eigenen Selbst.

Im Gegensatz zur zurückhaltenden Haltung traditioneller kommerzieller Ausstellungsorte hat sich die Galerie Koronin dafür entschieden, kompromisslose, politische und zutiefst menschliche Kunst zu fördern.

Enora Jacquart. Das Leben einer Frau, das auf den Kopf gestellt wurde – und das visuell zum Ausdruck kommen wird.

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