Die Ausstellung im April 2026 greift auf die Fantasie zurück, um den zeitgenössischen Neo-Folklorismus zu beleuchten.

Zurück zur puren Emotion

Zunächst einmal knüpft die Ausstellung, die Ihnen die Galerie präsentiert, direkt an die bisherigen Themen an. Wir setzen hier nämlich unsere Auseinandersetzung mit der figurativen Kunst fort, betrachtet durch die Augen von vier einzigartigen bildenden Künstlern. Aus diesem Grund haben wir uns entschieden, diese Strömung in den Vordergrund zu rücken, in der Emotionen Vorrang vor Realismus haben.

Darüber hinaus bestand die Herausforderung dieser Auswahl darin, die neuen künstlerischen Konventionen unserer modernen Gesellschaften auf den Kopf zu stellen. Indem wir die Kunst auf ihre ursprüngliche Bestimmung zurückführen – zu zeigen und zu bewegen –, hoffen wir, Ihnen eine Auszeit zu bieten, die uns gewissermaßen vom Schmutz der Welt reinigt.

Was ist zeitgenössischer Neo-Folklorismus?

Der Neo-Folklorismus ist eine Strömung, in der Emotionen und Atmosphäre Vorrang vor strengem Realismus haben. Auf diese Weise machen sich unsere Künstler die volkstümliche Bildsprache zu eigen, um einen faszinierenden Kontrast zu schaffen: Sie fügen alltägliche Gegenstände in traditionelle Kulissen ein. Und diese Mischung erzeugt eine solche Präzision, dass der Anachronismus schließlich ganz natürlich wirkt.

 

Die Künstler der Ausstellung: Ein einzigartiges Quartett

Unter der Leitung von Artemis Irenäus von Baste ergänzen drei Perspektiven diese Vision:

  • Tupsa Katsiaryna Viatcheslav: die Präzision des Konzepts.
  • Luca Hartmann: Die Poesie neu interpretierter Landschaften.
  • Barbara Le Louverot: die Kühnheit der Inszenierung.
Exposition sur le Néo Folklorisme contemporain par la galerie d'art en ligne Les Koronin. Création Team Suisse, Natascha Vallélian.

Tupsa Katsiaryna Viatcheslav: Die Präzision des Traums

Tupsa Katsiaryna Viatcheslav ist eine Künstlerin mit einer zutiefst traumhaften Vision. So wird in ihren Werken jedes Detail mit fast fotografischer Klarheit wiedergegeben, wodurch Welten entstehen, in denen Realität und Fantasie miteinander verschmelzen. Für diese Ausstellung präsentiert sie uns eine beeindruckende Komposition, die das Wesen unserer kuratorischen Überlegungen verkörpert.

Tupsa: Das Aufeinandertreffen der Welten!

Dieses Gemälde ist ein Meisterwerk des zeitgenössischen Neo-Folklorismus. Tupsa inszeniert einen regelrechten kulturellen Zusammenprall. Während der Samowar an slawische Traditionen erinnert, versetzt uns die Luftmatratze in die Pop-Moderne. Dabei lässt die Präzision ihres Strichs diesen Anachronismus ganz natürlich erscheinen.

Luca Hartmann: der Dichter der Bündner und Jurassischen Landschaft

Luca Hartmann ist der Poet unseres Quartetts. Warum? Seht selbst!
Er entführt uns hier in die sanfte Landschaft seiner Heimat, des Kantons Waadt. Sein Aquarell ist eine Hommage an die schlichte, unverfälschte Schönheit. Und mit bemerkenswert fließendem Pinselstrich fängt er das Wesen eines Ortes, seine Atmosphäre, ein. Für diese Ausstellung schenkt er uns daher ein Werk, das – wie bei Tupsa – die Gelassenheit eines schwebenden Augenblicks sichtbar macht.

Luca: Die zeitlose Schönheit der Region

In diesem Aquarell verkörpert Luca den Neo-Folklorismus durch die poetische Neuinterpretation der traditionellen Landschaft.

Hier findet man die Schweizer Folklore wieder: den Bauernhof mit Steinmauern und Ziegeldach, den dampfenden Heuhaufen im Vordergrund. Es ist die volkstümliche Bildsprache der Landschaft, die wir lieben. Doch Luca verleiht dem Ganzen eine sanfte Modernität: die perfekt geformten runden Heuballen auf dem Feld (ein Anachronismus im Vergleich zum alten Bauernhof) und vor allem diese traumhafte Farbpalette mit dem lila-rosa Himmel und den leuchtenden Wildblumen. Diese subtile Verschiebung, diese Art, die Realität durch Farbe und Licht zu veredeln, ist das Wesen unserer kuratorischen Überlegungen.
Es ist ein Werk, das uns vom Schmutz der Welt reinigt, um uns wieder mit der Güte der Erde zu verbinden.

Barbara Le Louverot: Das fruchtbare Exil

Barbara, eine ehemalige Pariserin, die sich nun in der imposanten Landschaft des Jura niedergelassen hat, schöpft hier neue künstlerische Inspiration. So hat sie fernab vom städtischen Trubel in der Erde der Franche-Comté einen Rohstoff gefunden, den sie mit ihren Ölfarben buchstäblich formt.

Barbara Le Louverot: Ein durch den Neo-Folklorismus verwandeltes Jura

Hier zeigt sich jene für den Neo-Folklorismus typische Diskrepanz: Die traditionelle Struktur eines Dorfes (die Folklore) wird mit einer kühnen Farbpalette und einer fast abstrakten Textur (die Moderne) behandelt. Dadurch schaffen der lila Himmel und diese mosaikartig gegliederten Felder eine Umgebung, die zugleich idyllisch und fremdartig wirkt: die Gelassenheit.

Artemis Irenäus von Baste: Kunst als alltägliches Ritual

Zum Abschluss rundet Artemis Irenäus diesen Parcours ab. Einerseits beweist sie mit ihren Kostümen eine enorme Geduld. Andererseits integriert sie alltägliche Gegenstände wie ihren aufblasbaren Sessel, um einen Kontrast zu schaffen. Letztendlich definiert diese Verschmelzung von Körper und synthetischem Objekt unser Thema perfekt. Für sie ist Kunst nicht einfach die Herstellung von Objekten, sondern vielmehr eine ganzheitliche Erfahrung. So inszeniert sich unsere multidisziplinäre Künstlerin in Chur selbst und lässt die Grenze zwischen ihrem Werk und ihrer eigenen Person verschwinden.

Folglich ist dieses fotografische Werk, dessen Inhalt zu 95 % authentisch ist, das Ergebnis einer Suche nach Harmonie zwischen ihrem Körper und ihrer Umgebung, die sie durch ihre Linse verklärt.

Eine moderne Geburt der Venus auf dem aufblasbaren Sessel

In diesem Selbstporträt interpretiert Artemis Irenäus die gängigen Darstellungen von Nymphen oder mythologischen Figuren auf gewagte Weise neu. Doch statt einer Muschel oder einer traditionellen ländlichen Kulisse (Folklore) wählt sie ein alltägliches, poppiges und farbenfrohes Objekt: ihren Lieblingssessel (Modernität).

Dieser Kontrast erzeugt eine faszinierende Schwingung. Das Kostüm, ein wahres lebendes Kunstwerk, das die Vegetation nachahmt, scheint mit dem vibrierenden Kunststoff des Objekts zu verschmelzen. Dieser Kontrast zwischen organischer Verletzlichkeit und synthetischer Materialität ist das Wesen des zeitgenössischen Neo-Folklorismus. Indem sie sich in ihrer Heimat Chur mit solcher Authentizität in Szene setzt, bietet uns Artemis Irenäus  ein Bild, das „zum Sehen gegeben“ ist, in dem der Anachronismus zum Katalysator einer neuen Schönheit wird.

Zunächst einmal möchten wir uns ganz herzlich bei Ihnen dafür bedanken, dass Sie sich die Zeit genommen haben, diese Welt des zeitgenössischen Neo-Folklorismus zu entdecken. Denn dank Ihrer Neugierde kann die Galerie Koronin diesen künstlerischen Dialog zwischen Tradition und Moderne weiterhin bekannt machen.

Sollte eines der Werke Sie besonders angesprochen haben, zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren, um mehr über den Schaffensprozess der Künstler zu erfahren. Außerdem laden wir Sie herzlich ein, Ihre Eindrücke in den Kommentaren mitzuteilen. Abschließend hoffen wir, dass Ihnen dieses Frühlingserlebnis ebenso viel Freude bereitet hat, wie wir bei der Vorbereitung dieser Ausstellung hatten.

Wir freuen uns darauf, Sie schon bald bei unseren nächsten künstlerischen Zwischenstopps wiederzusehen.

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